„Alpha E“ ist nicht zukunftsfähig und gesetzwidrig
Nach wie vor vertritt der „Projektbeirat Alpha-E“ die Auffassung, dass der dreigleisige Ausbau zwischen Lüneburg und Uelzen (zusammen mit weiteren Optimierungen) die Lösung des Problems sei. Der viergleisige Ausbau sei – auch entlang der Bestandsstrecke – abzulehnen. Damit vertritt der Projektbeirat nicht nur eine nicht zukunftsfähige Position, sondern auch die Auffassung, dass das Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwAG) geändert werden müsse. Das BSchwAG in der Fassung 2016 hat in der Projektliste noch ein „optimiertes Alpha E“ genannt. Diese Fassung wurde mit Wirkung vom 29. Dezember 2023 durch eine Neufassung ersetzt, in dem die Neubaustrecke als „Projektbündel“ ohne Bezugnahme auf andere Ausbauten genannt wird. Damit erhielt die Planung der DB eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage. Schon im Jahr 2016 war im Gesetz der Vorbehalt enthalten, dass die im Bundesverkehrswegeplan „2030“ enthaltenen Projekte im Rahmen der Entwicklung des Deutschlandtakts zu überprüfen seien.
Ein viergleisiger Ausbau des Bestandes ist nicht akzeptabel
Andere Verbände und Interessengruppen erkennen mittlerweile an, dass zwischen Hamburg und Hannover 2 neue Gleise notwendig sind, meinen aber, dass der Ausbau des Bestandes schneller, billiger und umweltschonender sei. Damit stellen sich diese Verbände gegen die Planungsgrundlage, den Deutschlandtakt, denn entweder werden die Ziele des Deutschlandtakts nicht erreicht oder Eingriffe in Städte und Wohngebiete, der Energieverbrauch für den laufenden Betrieb oder sind weitaus höher als bei einer Neubaustrecke auf der Trasse A 7 / B 3. Nur mit 2 absolut kreuzungsfreien Gleisen würde die Kapazität der Neubaustrecke erreicht, aber dafür müssten in Lüneburg und Uelzen Gleise auf Hochbrücken oder in Tunnel verlegt werden, die Fahrzeitvorgaben des Deutschlandtakts müssten mit gravierenden Eingriffen, insbesondere zwischen Winsen und Suderburg, erkauft werden, und dennoch müsste mit 300 km/h gefahren werden, während über die Neubaustrecke 250 km/h genügen. Die Bauzeit wäre um zwei Jahrzehnte länger als ein Neubau, und die Strecke müsste immer wieder wochen- und monatelang ganz gesperrt werden, weil Gleise verschoben werden müssen. Um das festzustellen, genügen schon die verfügbaren Satellitenbilder, aber man muss sich selbst die Mühe machen, diese auszuwerten.
Die aktuellen Argumente der Landesregierung für„Alpha-E“
… passen sich den Entwicklungen an, immer mit dem gleichen Ziel: Eine Neubaustrecke soll möglichst verhindert oder auf ferne Zukunft verschoben werden.
Es ist schon bekannt, dass die Vorschreibung des Deutschlandtakts die Trasse A 7 / B 3 verkehrlich in das Zielnetz für den Deutschlandtakt integrieren wird und die Prognose für den Güterverkehr gerade für den Abschnitt Hamburg – Uelzen hohe Zugzahlen nennt. Daraus ergeben sich neue Angriffslinien:
* Die Verkehrsprognose 2040, die dem Deutschlandtakt in der Fortschreibung zugrunde liegen wird, sei viel zu unsicher, um ein Großprojekt wie die Neubaustrecke Hamburg – Hannover zu rechtfertigen.
* Die Entwicklung der Nachfrage sei viel zu dynamisch. Dem müsse dadurch Rechnung getragen werden, dass kleine Maßnahmen rasch geplant und realisiert werden.
* Es gebe noch keine Finanzierung und auch keine Aussicht auf Finanzierung einer Neubaustrecke.
Und selbstverständlich werden alte Argumente wiederholt:
* Für die zu erwartende Vorzugstrasse hat kein Raumordnungsverfahren stattgefunden.
* Die Kurvenverbindung in Richtung Bielefeld sei städtebaulich nicht vertretbar. Dass Züge ohne Halt an Hannover vorbeifahren, sei nicht vertretbar.
Aus allen diesen Gründen müsse das dritte Gleis Lüneburg – Uelzen baldmöglichst realisiert werden.
Der Deutsche Bundestag hat anders entschieden – denn ein Kompromiss ist nicht möglich.
Mehr zur Frage nach einem Kompromiss lesen Sie hier.
Der historische Hintergrund
„Alpha E“ würde den heutigen Fahrplan im Reisezugverkehr dauerhaft zementieren und die Zukunft verbauen.
Seit 60 Jahren wird bereits über einen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover nachgedacht. Es geht dabei um die Beseitigung eines zentralen Nadelöhrs im innerdeutschen Bahnverkehr, denn die Bestandsstrecke hat trotz verschiedener Ausbaumaßnahmen in den vergangenen Jahrzehnten die Grenzen ihrer Kapazität längst erreicht und überschritten. Die Folge sind ständige Betriebsstörungen und Verspätungen, die hier entstehen und sich dank der bundesweiten tragenden Rolle dieser Strecke im Fernverkehr weit über Hamburg und Hannover hinaus schmerzlich bemerkbar machen. Jahrelang wurde über die Y-Trasse mit Anschluss Bremens diskutiert. Nachdem dieses Neubauprojekt abmoderiert wurde, konzentrierte sich in den letzten Jahren alles auf den „Alpha E“ genannten Kompromiss, der 2015 auf Betreiben des Landes Niedersachsen mit verschiedenen Bürgerinitiativen geschlossen wurde und sich kategorisch gegen einen Neubau sperrt. Während der Bundesverkehrswegeplan von 2016 dieses Konzept noch zugrunde legte, wurde im Rahmen der Entwicklung des Deutschlandtakts immer klarer, dass nur eine Neubaustrecke auf ganzer Länge zwischen Hamburg und Hannover die anstehenden Probleme löst.
„Alpha-E“: Vom Verkehrszuwachs überholt
Als „Alpha E“ erdacht wurde, ging man davon aus, dass 2 ICE-Züge und ein Regionalzug je Stunde und Richtung genügen. Der Deutschlandtakt geht von 6 Reisezügen je Stunde und Richtung aus, damit die Zahl der Fahrgäste auf der Schiene verdoppelt werden kann. Mehr Reisezüge gehen zulasten der Kapazität des Güterverkehrs, wenn beide auf den gleichen Schienen verkehren müssen. Der Verkehr gemäß Deutschlandtakt kann unmöglich auf 3 Gleisen zwischen Lüneburg und Uelzen abgewickelt werden. Das Festhalten an „Alpha E“ ist ein Angriff auf ein zentrales Element des Deutschlandtakts. Dies gilt umso mehr, als „Alpha E“ bereits festgestellt hatte, dass ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen für die erforderliche Kapazität zwar nicht genügt, aber die notwendige Kapazität durch Verlagerung der hier nicht mehr möglichen Güterzüge auf die Route Büchen – Wittenberge erfolgen sollte. Auch für diese Route gilt aber, dass der vorausgesetzte schnelle Personenverkehr diese Verlagerung nicht mehr zulässt.
Damit gefährdet Niedersachsen wider besseres Wissen den Deutschlandtakt, obwohl dessen Wichtigkeit nochmals nach der Landtagswahl 2022 im rot-grünen Koalitionsvertrag betont wurde. Ohne eine Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover ist dieser aber wegen der vielfältigen direkten und indirekten Abhängigkeiten von diesem Neubau nicht umsetzbar. Der für eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen nötige Angebotsausbau ist zwischen Hannover und Hamburg weder im Nah- noch im Fernverkehr leistbar. Das gesamte Fahrplangerüst fällt in sich zusammen. Dringend nötige Entlastungen auf anderen Strecken können ebenfalls nicht realisiert werden. Details lesen Sie hier.
„Alpha-E“: Mit Tricks und ohne Zukunftsfähigkeit
- Das Konzept „Alpha E“ beruhte schon bei der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan von 2016 auf mehreren Tricks, die über die Notwendigkeit einer Neubaustrecke hinwegtäuschten:
Bereits 2015 machten Gutachter klar, dass ein drittes Gleis nicht genügt, um die erforderliche Kapazität zu erreichen. Daher sollten Güterzüge über andere Strecken geleitet werden, die auch dort die Kapazitätsreserven für eine zukünftige Steigerung des Verkehrs verbrauchen sollten. - Für „Alpha E“ konnte kein ausreichender Nutzen festgestellt werden. Erst die Zusammenfassung mit hochrentablen Ausbauten im Raum Bremen, die nichts mit der Verbindung nach Hamburg zu tun haben, und mit weiteren Ausbauten, die die Fahrzeit zwischen Hamburg und Hannover verkürzen sollten, wurde ein gerade eben ausreichender Nutzen errechnet. Es handelt sich dabei um einen politischen Trick.