Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt Entscheidung des Bundestages für Neubau Hamburg – Hannover

Bedeutung des Projekts reicht weit über Niedersachsen hinaus

nach 34 Jahren: Schlusspunkt hinter eine endlose Auseinandersetzung

Heute, am 8. Oktober 2026, wird der Deutsche Bundestag abschließend entscheiden, ob die Planung der Bundesregierung für eine Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover gebilligt wird. Der Verkehrsausschuss hat bereits am 7. Oktober mit einer Entschließung zugestimmt, die dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt wird.
Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert und erwartet die Zustimmung des Deutschen Bundestages und hält die Entscheidung für dieses Projekt für überfällig, um den Schienenverkehr in ganz Deutschland wieder pünktlicher und attraktiver zu machen. Bisher haben Ignoranz und Unbelehrbarkeit dieses Projekt um mehrere Jahrzehnte verzögert.

Schlusspunkt nach 34 Jahren

„Mit der für heute auf die Tagesordnung gesetzten Entscheidung, dass zwischen Hamburg und Hannover eine Neubaustrecke gebaut werden darf, wird der Deutsche Bundestag eine 34 Jahre dauernde Auseinandersetzung über die Verbesserung des Bahnverkehrs in Norddeutschland beenden“, erklärt Rainer Engel, der für den Fahrgastverband PRO BAHN seit Jahren das Interesse der Fahrgäste an der Verbesserung des überregionalen Bahnverkehrs in ganz Norddeutschland wahrnimmt. „Die letzten Jahre dieser Auseinandersetzung wurden mit der Ignoranz und der Unbelehrbarkeit der verschiedenen Landesregierungen in Hannover vergeudet.“

Ignoranz hat Entscheidung verzögert

Die bestehende Bahnlinie von Hamburg nach Hannover ist in Deutschland am stärksten überlastet. Hier verkehren 50 % mehr Züge, als ein pünktlicher Bahnbetrieb verträgt. Eigentlich ist sich noch stärker belastet, denn für etliche Züge fehlt der Platz gänzlich; sie fahren lange Umwege oder gar nicht und zählen daher nicht mit. Die entstehenden Verspätungen werden in der gesamten Bundesrepublik und bis ins Ausland verteilt. „Wir haben nie verstanden, warum diese Bahnlinie jahrelang gesperrt werden sollte, um ein drittes Gleis durch das Naturschutzgebiet ‚Tiergarten‘ bei Lüneburg und die Siedlung Medingen bei Bad Bevensen zu schlagen. Bürgerinitiativen und in ihrer Folge auch die Landesregierung in Hannover behaupten bis heute unverdrossen, das sei schneller und ökologischer als ein Neubau. Die dem Deutschen Bundestag vorgelegte Planung weist jedoch das Gegenteil nach, das Eisenbahn Bundesamt hat diese Planung intensiv geprüft, und es ist an der Zeit, dass der Deutsche Bundestag diesen fachlich begründeten Aussagen folgt“, erklärt Engel.

Regionaler Nutzen viel größer als bekannt

Genauso wenig Verständnis hat der Fahrgastverband PRO BAHN für die Auffassung, dass eine Bahn-Neubaustrecke keinen Nutzen für die Region habe, durch die schnelle Züge fahren sollen. „Bayern und Baden-Württemberg haben gezeigt, dass schnelle Regionalzüge Menschen magisch anziehen, die ihr Auto an kleinen Bahnhöfen stehen lassen und mit dem Zug in das Herz der Städte fahren. Das wird nach Auffassung des Fahrgastverbandes PRO BAHN auch für die Bürger aus Soltau und dem Heidekreis, aus Garlstorf und Ramelsloh im Landkreis Harburg und in Bergen im Landkreis Celle möglich werden“, erklärt Engel. „Der Deutsche Bundestag wird ausdrücklich diesen Nutzen für die von Bauarbeiten betroffenen Regionen einfordern.“

Regionalbahnhöfe Regionalbahnhof Kinding: Auch zwischen Hamburg und Hannover sind Regionalbahnhöfe möglich.

Nutzen von Nordrhein-Westfalen bis Skandinavien

Der Nutzen gerade dieses Projekts reicht aber weit über Niedersachsen hinaus. „Die schnellste Verbindung von Nordrhein-Westfalen nach Hamburg und Skandinavien wird einmal über diese Neubaustrecke hergestellt werden, das sieht der Deutschlandtakt vor“, berichtet Engel. „Bürger aus Köln, Düsseldorf und Bielefeld werden genauso von dieser Strecke profitieren wie die Bürger aus Skandinavien, die mit schnellen Zügen über die Feste Fehmarn-Belt-Querung nicht nur Hamburg, sondern ganz Deutschland schneller und bequemer erreichen werden.“

Besondere Vorteile für Nordrhein-Westfalen

Weil die besonders schnellen Züge dann auf eigenen Schienen fahren, sind mehr und pünktlichere Regionalzüge nicht nur in Niedersachsen, sondern bis nach Nordrhein-Westfalen hinein möglich, erklärt Engel, auch stellvertretender Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN in Nordrhein-Westfalen. „Beispielsweise hängt die Qualität des Regionalverkehrs von Essen über Gelsenkirchen und Münster bis Osnabrück davon ab, ob internationale Expresszüge hier fahren müssen oder über eine Neubaustrecke an Hannover vorbei geleitet werden können. Die gutachtliche Arbeit am Deutschlandtakt hat diesen wichtigen Zusammenhang erkannt. Genauso gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Neubaustrecke und der Frage, wie viele Lastwagen sich auf den Autobahnen A1 und A2 durch das Ruhrgebiet quälen“.

Deutsche Wirtschaft auf Neubau existenziell angewiesen

Auch der deutschen Wirtschaft wird diese Neubaustrecke erhebliche Vorteile verschaffen. „Heute wird die Arbeitszeit von Lokführern und Lokführerrinnen der Güterzüge sinnlos verschlissen, weil diese den Expresszügen immer wieder Platz machen müssen. Mancher Spediteur kann heute seine Waren nicht auf der Schiene befördern lassen, weil dort kein Platz mehr ist, und muss eine Heerschar von Personal für die Lastwagen anheuern, was die Transporte teuer macht“, erklärt Engel. So mancher Standort der Industrie im Binnenland ist nicht attraktiv, weil die Transporte zu lange dauern und zu teuer sind. Das wiederum verschärft die Abwanderung von Arbeitskräften dort, wo Wohnen noch bezahlbar ist. Die Fernwirkungen eines besseren Bahnsystems werden weit unterschätzt.“

Hintergrund

Das erste Neubauprojekt zwischen Hamburg und Hannover wurde 1992 noch von der Deutschen Bundesbahn vorgelegt. Nach intensiver Planung wurde diese Planung wegen Bürgerprotesten verworfen und auf Initiative des heutigen Ministerpräsidenten Olaf Lies ein „Dialogforum“ berufen, das sich auf den abschnittsweisen Ausbau der Bestandsstrecken um nur ein Gleis verständigte. Die Prüfung im Auftrag der Bundesregierung ergab, dass dieser Vorschlag nicht wirtschaftlich war und nicht hätte gebaut werden dürfen. Zugleich wurde der Deutschlandtakt entwickelt, wobei die Untersuchungen über die Verkehrsentwicklung im Personen- und Güterverkehr ergab, dass Bedarf für sehr viel mehr Züge besteht, als das „Dialogforum“ angenommen hatte, sodass ein drittes Gleis auf keinen Fall ausreicht und ein viertes Gleis unumgänglich ist. Auf dieser Basis hat die Deutsche Bahn im Auftrag der Bundesregierung Alternativen geprüft und die Vorzugsvariante mit der schnellstmöglichen Bauzeit und den geringsten ökologischen Auswirkungen als Vorzugsvariante ermittelt. Diese Neubaustrecke reicht von Meckelfeld bis Großburgwedel mit einer Verbindungskurve nach Celle und soll auch von Güterzügen und Regionalzügen genutzt werden. Der Deutsche Bundestag hat vorgeschlagen, dass weitere Verbindungsgleise gebaut werden, damit die Strecke auch als Umleitung im Störungsfall der Strecken von Bremen nach Hannover und Hamburg genutzt werden kann. Weiter hat der Bundestag ausdrücklich vorgeschlagen, dass der Bau für Regionalzügen mit Zwischenhalten vorbereitet wird. Dies ist Inhalt der Entschließung, die heute dem Bundestag zur Abstimmung vorliegt. In den letzten Tagen wurde die Abstimmung noch einmal vertagt, um den Inhalt dieser Entschließung mit Anforderungen der Anlieger zu ergänzen.