Regionalbahnhof im Heidekreis Bereich Soltau / Bispingen

 Der bisher vorliegende Vorschlag eines Regionalbahnhofs „Soltauer Heide“ ist ineffizient und mit der Region nicht abgestimmt. Die Prüfung von Alternativen und die Betrachtung in einem Gesamtkonzept sowie eine Bürgerbeteiligung wird dringend empfohlen. Soltau wird durch eine andere Lage des Regionalbahnhofs nicht benachteiligt.

Drei mögliche Standorte

Details:
Soltau / Harber („Soltauer Heide“), aktueller Planungsstand
Soltau / Bispingen an der Kreisstraße 2 und der Bahnlinie Lüneburg – Soltau
Bispingen (Ort)

Regionalbahnhöfe im Vergleich – Überblick


Dieser Vergleich zeigt auf einen Blick: Der bisher vorgeschlagene Standort „Soltauer Heide“ ist suboptimal.

Wesentliche Unterschiede bei Busverkehr und Freizeitzielen


Auf einen Blick: Ein Regionalbahnhof Harber erfordert einen viel größeren Aufwand, um die Freizeitziele im Raum Soltau zugänglich zu machen. Die Kostenfolgen müssen Kreis und Land tragen.

Eckdaten – Überblick

Fragwürdiges Verfahren
Kein Gesamtkonzept
Keine Bürgerbeteiligung

Für den Bereich Soltau / Bispingen, in dem eine große Zahl von Freizeiteinrichtungen ein erhebliches Fahrgastaufkommen erwarten lässt, fehlt ein tragfähiges Gesamtkonzept. Dies zeigt sich bei der Betrachtung nicht nur des Regionalbahnhofs Soltau, sondern auch bei der Möglichkeit eines Regionalbahnhof Bispingen sowie der Frage der Gleisverbindung zwischen der Neubaustrecke und dem Bestandsnetz.
Ohne ein Gesamtkonzept zu entwickeln, hat der Bundesgutachter Intraplan den Überholbahnhof Harber östlich von Soltau als vorausgesetzt und dort einen Regionalbahnhof angenommen, auch „Harber“ oder „Soltauer Heide“ genannt. Wie dies zustande kam, lesen Sie hier.
Alternativen wurden nicht geprüft. Der Deutsche Bundestag hat den Vorschlag ohne weitere eigene Prüfung in seinen Beschluss übernommen.
Für diesen Standort hat Intraplan eine Potenzialstudie erstellt, die eine Fahrgastnachfrage von 2000 Reisenden pro Tag prognostiziert hat. Diese Prognose ist sehr fragwürdig und wahrscheinlich zu niedrig.

Die Mängel der Potenzsatzberechnung

Die Abschätzung ist sehr grob und arbeitet mit Faustformeln.  Auf Erfahrungen vom Regionalbahnhof Allersberg wurde nicht zurückzugreifen, Daten für Merklingen lagen noch nicht vor. Die Schwäche zeigt sich an Details: Einem nahegelegenes „Designer Outlet-Center“ wird eine erhebliche Nachfrage zugerechnet.  Die Nachfrage des aufkommensstarken Heideparks, der zweitgrößten Freizeitanlage dieser Art in Deutschland, die Freizeitziele in Bispingen sowie des Naturschutzgebiet Wilseder Berg wird nicht angemessen berücksichtigt, auch die nördlich gelegenen Freizeitziele werden nicht hinreichend betrachtet.
Die Untersuchung ist nicht öffentlich verfügbar. Die bekannt gewordenen rudimentären Daten lassen erkennen:
So hat Intraplan gerechnet:
Das Potenzial (Bus) betrage 10 % der Einwohner, für die ein attraktives Angebot bestand. Auf dieser Basis wurden insgesamt 789 Buspendler pro Tag von/zur Station Soltau/Harber an der Neubaustrecke prognostiziert und setzt sich so zusammen: von Soltau, östliche Stadtteile 339 Fahrgäste, Tiegen 61 Fahrgäste, Munster 389 Fahrgäste. Vorausgesetzt wird dafür eine nicht näher spezifizierte „Extrem-Buslinie“
Dem Heidepark werden jährlich zwischen 75.000 und 150.000 Fahrgäste zugerechnet. Unterstellt wird dafür eine saisonale direkte Buslinie mit einer Fahrzeit von 15 Minuten, einschließlich Umsteigezeit.
Dem Designer Outlet-Center werden jährlich zwischen 6.500 und 13.000 Fahrgäste zugerechnet. Unterstellt wird dafür eine saisonale direkte Buslinie mit einer Fahrzeit von 10 Minuten, einschließlich Umsteigezeit.
Auf dieser Basis wird angegeben, dass die Gesamtanzahl der Pendler von/zur Station Soltau/Harber 4.606 pro Tag betrage.
Bewertung:
Die Darstellung hat keine Qualität.

  • Alle Berechnungen beruhen auf Unterstellungen zum Busverkehr, die enorme Betriebskosten verursachen.
  • Die Annahmen über die Fahrzeiten der Busverkehr sind inkompatibel. Ein Bus, der eine Stichfahrt zum Designer Outlet-Center durchführt, kann den Heidepark nicht in der angegebenen Fahrzeit erreichen.
  • Die Freizeitziele Heidepark und Designer Outlet-Center werden gleichgesetzt, obwohl sie eine völlig unterschiedliche Struktur haben. Während man den Heidepark als Tagesziel besucht, werden Einzelhandelszentren dieser Art bevorzugt als „Zusatznutzen“ anderer Freizeit- oder Fahrtzwecke aufgesucht und sind damit für Nutzer des ÖPNV weitaus weniger interessant als für Pkw-Nutzer.
  • Das Potenzial der Freizeitziele im Raum Bispingen / Wilseder Berg wird überhaupt nicht in Betracht gezogen. Wenn das Aufkommen im ÖPNV zum Designer Outlet-Center relevant wäre, gäbe es dorthin schon jetzt eine Busverbindung. Das ist aber nicht der Fall.

Benachteiligung eine andere Lage die Stadt Soltau? Nein, sie vergrößert die Chancen.

Auf den ersten Blick erscheint eine weiter nördliche Lage des Regionalbahnhofs, als bisher gedacht die Stadt Soltau zu benachteiligen. Dabei ist aber zu beachten:

  • Das größere Potenzial von Soltau ist auf Hamburg ausgerichtet. In Richtung Hamburg verschlechtern sich Bedingungen nicht.
  • Nur ein rundum attraktiver Regionalbahnhof hat die Chance, ein Fernverkehrshalt zu werden. Die Chancen für einen Halt Soltau / Bispingen sind weitaus größer.
  • Ein Regionalexpress Hamburg – Hannover würde nicht über Hannover hinaus fahren. Daher ist dieser ab Soltau nicht attraktiver als die Heidebahn.
  • Die Fahrzeit Soltau – Hannover über die Heidebahn beträgt 70 Minuten, die Fahrzeit Soltau – Hannover über die Neubaustrecke mit dem Regionalexpress beträgt 42 Minuten ab Harber, 44 Minuten. Gleichviel, wie man die Anfahrt rechnet: Die Differenz ist mit 28 Minuten so gering, dass Fahrplan-Details und Details der persönlichen Zugangsmöglichkeiten eine wesentliche Rolle spielen und der Unterschied der reinen Fahrzeit nicht das wesentliche Kriterium ist.
  • Die Verbindung der Neubaustrecke mit Soltau über die Bahnlinie Soltau – Celle ist möglich und würde eine S-Bahn-Linie mit 50 Minuten Fahrzeit nach Hannover direkt aus der Stadt ermöglichen.
  • Alle neuen Angebote stehen unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit. Dafür ist das Potenzial Soltau – Hannover nur ein Aspekt unter vielen weiteren.