Regionalbahnhof „Soltauer Heide“ – ein ineffizienter Vorschlag

Ohne Bürgerbeteiligung und ohne Beteiligung der Kommunen hat der Bundesgutachter Intraplan einen Regionalbahnhof „Soltauer Heide“ vorgeschlagen. Dieser Vorschlag ist suboptimal und hält einer Überprüfung nicht stand. Die Folgekosten vor allem für Land und Kreis sind höher als bei möglichen Alternativen.
Der Standort sollte im Interesse der Region neu diskutiert und Alternativen geprüft werden.

Das Verfahren hinter dem Vorschlag „Soltauer Heide“: intransparent

Seit vielen Jahren fordert der Fahrgastverband PRO BAHN die Beachtung des regionalen Nutzens der Neubaustrecke Hamburg – Hannover. Um diese Forderungen zu untermauern, hatte der Verband konkrete Vorschläge für den Raum Soltau im Jahr 2022 und öffentlich vorgestellt.
In die gleiche Zeit fällt die Erkenntnis der Planer der DB, dass die Trasse A7 / B3 der Neubaustrecke Hamburg – Hannover den Vorzug erhalten würde.
Parallel ging die Entwicklung des Deutschlandtakts nach Vorlage des dritten Entwurfs weiter. . Mehr dazu erfahren Sie hier.
Damit wurde das Konzept der Überholbahnhöfe geändert: Die aktuelle Vorgabe für den Güterverkehr ist: Überholbahnhöfe in einem Abstand von 10 bis 12 Kilometer sollten einen Mischbetrieb von Güterverkehr mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr auch tagsüber ermöglichen.
Alle drei Faktoren bewogen die Bundesregierung, den Bundesgutachter Intraplan mit einer Studie zu beauftragen, die die fahrplantechnische Machbarkeit und das Potenzial einer Bedienung mit einem Regionalexpress Hamburg – Hannover zu untersuchten. Diese Untersuchung wurde nicht veröffentlicht. Das Ergebnis findet sich aber auf der Projekt-Website der DB, in der Unterrichtung der Bundesregierung an den Bundestag und im Entwurf der Fortschreibung des Deutschlandtakts von 2025, der zwar nicht veröffentlicht wurde, aber auf Fachebene den Verbänden zur Stellungnahme zugeleitet wurde. Darüber hinaus verfügt der Autor dieses Beitrages über weiterführende Daten aus dieser Untersuchung, die eine Beurteilung der Qualität der Arbeit von Intraplan zulassen (mehr dazu hier).
Dass dieser Vorschlag nicht mit der Region abgestimmt wurde, liegt einerseits an dem Widerstand der Landesregierung in Hannover und von Politikern aus der Region, die meinten, das Ergebnis des „Dialogforums Nord“ politisch durchsetzen und die Neubaustrecke an sich verhindern zu können. Diesem Ziel hätte es nicht entsprochen, über regionalen Nutzen nachzudenken.  Andererseits hat aber auch die Bundesregierung lange gemeint, gegen den Willen der an sich zuständigen Landesregierungen regionalen Nutzen nicht benennen zu sollen.
Beider Auffassungen ist der Bundestag nichts gefolgt und hat Voraussetzungen geschaffen, dass regionaler Nutzen realisiert werden kann.

Der einzige Grund für die Wahl des Standorts

Der einzige Grund für die Wahl des Standorts „Soltauer Heide“ für einen Regionalbahnhof ist die Planung eines Überholbahnhofs an der Kreuzung mit der Bahnlinie Soltau – Uelzen. Alternativen wurden nicht geprüft.

Lage: Ungünstig


Eine ineffiziente Idee: Regionalbahnhof Soltauer Heide.
Der Überholbahnhof soll östlich der Autobahn A 7 in Höhe des Hofs Moide an der Kreisstraße 10 auf dem Gebiet des Ortsteils Harber liegen.
Die Vorplanung zeigt nur den Überholbahnhof mit 4 Gleisen. Zeichnerische Darstellungen auf der Website der DB lassen erkennen, dass ein Regionalbahnhof mit 6 Gleisen ausgestattet sein soll, außerdem, dass das Stationsgebäude auf der Ostseite stehen würde. Dieser Standort ergibt sich, wenn ein Bahnsteig an der Bahnlinie Soltau – Uelzen errichtet werden soll.
Damit ist der Standort bereits ineffizient: Die Station würde rund 500 Meter nördlich der Kreisstraße 10 liegen und eine Zuwegung in dieser Länge benötigen. Im Verhältnis zu Soltau liegt die Station damit so weit wie möglich entfernt.
Entfernung zur nächsten Siedlung Tiegen (1.000 Einwohner) 2,5 km
Entfernung zum Design Outlet-Center 1.300 Meter
Entfernung zur Autobahn 2,8 km
Entfernung Soltau Stadtzentrum 7 km.
Damit ist keine relevante Nachfrage aus Quellen und Zielen im Fußverkehr und nur eine sehr geringe relevante Nachfrage für Radfahrer (1.000 Einwohner) gegeben. Das Potenzial beschränkt sich auf Pkw und ÖPNV.

Erschließung Straße: Erheblicher Investitionsbedarf

Die vorhandene Kreisstraße K 10 nach Soltau ist ausreichend leistungsfähig, stößt aber an der Kreuzung mit der B 71 auf eine stark belastete Straße (8.000 Fahrzeuge je Tag, Quelle Stand 2021), sodass die heutige Situation nicht ausreichend ist und ein Umbau der Kreuzung erforderlich wird. Im weiteren Verlauf nach Soltau wächst die Verkehrsbelastung der B 71 auf 12.000 Fahrzeuge. Dabei ist zu beachten, dass die B 71 am Bahnhof Harber die in Reaktivierung befindliche Bahnlinie Soltau – Lüneburg mit einem Bahnübergang quert.
Weiter ist zu beachten, dass die Kreisstraße 9 in Richtung Heidepark keinen Radweg hat, auch dieser wird erforderlich, da mit der Zunahme von Radfahrern zu
Damit verursacht ein Regionalbahnhof „Soltauer Heide“ einen erheblichen Investitionsdruck.

Erschließung Schiene: hoher Investitionsbedarf, ungünstige Fahrpläne

Zwar bietet der Standort Harber die Möglichkeit des Umstiegs in die Regionalzüge (RB 37 Bremen – Uelzen), stößt aber auf große Probleme, die bei einem Regionalbahnhof Soltau / Bispingen nicht auftreten:

  • Die RB 37 verkehrt derzeit nur im Zweistundentakt. Das Fahrgastpotenzial rechtfertigt eine Verstärkung nicht.
  • Die RB 37 ist in die Knoten Soltau und Uelzen eingebunden. Stundentakt im integralen Taktfahrplan ist nur möglich, wenn im Bereich Brockhöfe ein zweites Gleis zur Verfügung steht. Dafür sind erhebliche Investitionen notwendig: Ein Stundentakt ist nur mit dem Bau eines zweiten Gleises in Brockhöfe zu bauen ist. Ohne diese Investition ist nur ein ineffizienter Pendelverkehr Soltau – Munster möglich.
  • Für weitere abgestimmte Anschlussfahrten steht die Strecke nicht frei zur Verfügung, da diese auch dem überregionalen Güterverkehr dienen und elektrifiziert werden soll.
  • Nur bei optimalen Anschlüssen zwischen RE von Hamburg oder Hannover nach Munster und einer RB nach Munster ist die Fahrt von Hamburg oder Hannover nach Munster schneller als über Uelzen.
  • Nur bei optimalen Anschlüssen zwischen RE von Hannover nach Soltau ist die Fahrt von Hannover nach Soltau schneller als über Walsrode.
  • Damit ergeben sich insgesamt ineffiziente Fahrpläne oder sehr hohe laufende Betriebskosten.
  • Für eine Verstärkung der Anschlussfahrten über den Zweistundentakt werden zusätzliche Regionalisierungsmittel benötigt.

Busverkehr: Hohe Mehrkosten, schlechte Fahrpläne

Quellverkehr – Auspendler
Die Kreisstraße 10 wird zurzeit von den Buslinien 305 und 355 bedient, an Schultagen mit insgesamt 10 Fahrten, die teilweise Ringfahrten nur in einer Richtung sind (Bus 355), teilweise reine Schülerfahrten außerhalb des Standard-Linienweges (Bus 305).
Eine Buslinie zum Designer Outlet wurde eingestellt, hierhin werden Shuttle-Fahrten auf Vorbestellung gegen ein höheres Entgelt (6 Euro, Stand 2026) vom Betreiber des Centers angeboten.
Die Buslinie 305 Soltau – Munster (an Schultagen 11 Fahrten je Richtung) müsste eine Stichfahrt von etwa 4 km Länge machen. Mit 11Fahrten je Richtung an Schultagen erreicht diese Linie nicht den Standard, der für die Bedienung eines solchen Regionalbahnhofs erforderlich ist.
Damit fallen für den Zubringerverkehr erhebliche Mehrkosten an.
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Buslinie 305 Soltau – Munster kann den Regionalbahnhof „Soltauer Heide“ bedienen, erfordert aber einen Umweg von 4 Kilometer.

Zielverkehr – Freizeitverkehr, Einpendler
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Die Erschließung der Freizeitziele im Linienverkehr hat lange Fahrzeiten zur Folge.
Die Freizeitziele Heidepark, Center Parcs Bispinger Heide, Schumacher Kartbahn, SnowWorld Bispingen und der Naturpark Lüneburger Heide (Wilseder Berg, Oberhaverbeck) sind Freizeitziele mit sehr großem Aufkommen an Besuchern. Reisende, die diese Ziele besuchen wollen, sind auf den öffentlichen Verkehr angewiesen, wenn sie nicht ihr Fahrrad mitbringen oder ein Fahrrad vor Ort mieten. Die Einrichtung einer Busverbindung ist daher Voraussetzung für den Verzicht auf den eigenen Pkw. Die Einrichtung einer direkten Buslinie ist zwar möglich, kann aber nicht oder nur mit großem Aufwand in das vorhandene Busnetz integriert werden. Denkbar ist zwar auch, die vorhandene Buslinie von Soltau über den Regionalbahnhof und die Kreisstraße 9 auf den „normalen“ Linienweg zu führen, der zeitraubende Umweg entspricht aber nicht den Bedürfnissen, die diese Linie bedienen soll. Dasselbe gilt für die Durchbindung der Buslinie 305 auf die Linie 150 (siehe Skizze).
Einziges Freizeitziel, das durch diesen Standort bedient wird, ist das Designer Outlet-Center. Der Fußweg von 1,2 Kilometer ist aber nicht attraktiv, eine Einbindung des Outlet-Centers in den Busverkehr würde eine Stichfahrt von 800 Meter erfordern.
Auch der Integration an das Angebot des Heideshuttle ist nicht oder nur mit Mehrkosten möglich, da der Regionalbahnhof abseits der vorhandenen Linien liegt.
Die dauerhaften Mehrkosten treffen die Aufgabenträger des ÖPNV, mit den Heidekreis und das Land Niedersachsen.